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Piemont und Provence im Herbst

Eine kleine Rundreise mit Eindrücken der besonderen Art. Mit einem kleinen Campervan und offen für Abenteuer erleben wir so viel, dass wie die Zeit nicht mehr wahrnehmen –  eine kleine Van-Geschichte.

Nur eine knappe Woche haben wir Zeit. Genug um die warme Jahreszeit mit einer kleinen Reise abzuschließen. Ziel ist die südfranzösische Küste bei  Agay, doch vorher wollen wir einen Abend in Turin verbringen. Einen Samstagabend. Als wir abends durch die Stadt spazieren und von einer zur nächsten Piazza gelangen, füllt sich das Zentrum immer mehr, die Menschen flanieren unter den endlosen Arkaden, teils beladen mit ihren Einkäufen und nun auf der Suche nach eine der vielen Restaurants und Bars. Jetzt muss es schnell gehen, kein langes hin und her, sonst sind alle Plätze besetzt und das lang ersehnte Abendessen rückt in weite Ferne. Wir haben Glück: in einem hübschen kleinen einladenden Restaurant am Rande einer von imposanten Bauwerken umrahmten Piazza wird uns ein Tisch zugewiesen. Je mehr die Dämmerung fortschreitet umso mehr Turiner und Touristen beleben die Gassen und Plätze. Von unserem Tisch aus erleben wir diesen Übergang von der Hast des Tages hin zur Entspannung verheißenden Oase bei einem Glas Weißwein.

Samstagabend in Turin: die Plätze der Stadt füllen sich.

Wir spüren die Vorfreude auf diesen besonderen Moment und genießen unsere Pasta mit besonderer Hingabe. Dabei wirkt die belebte Kulisse der Stadt wie ein Film, wie ein Theaterstück, das äußerst unterhaltsam ist. Recht schnell wird es dunkel. Die vielen Lichter erstrahlen und hüllen die historischen Gebäude in ein warmes, verlockendes Licht.

Nach dem Abendessen streifen wir durch die Stadt und staunen über die reiche Anzahl an Bars und Cafés, lassen uns von den stets hilfsbereiten und sehr aufmerksamen Turinern fotografieren. Besonders das Gelato scheint in Turin einen besonderen Stellenwert zu haben. In einer historisch anmutenden  Bar unter den Arkaden bestellen wir ein Stracciatella Eis mit einem Cappuccino und fühlen uns wie im siebten Himmel – so einzigartig gelungen und vollendet ist das Geschmackserlebnis. Am liebsten hätten wir eine weitere Runde bestellt, doch der weite Weg zurück zum Campeggio Grinto, wo unser Campervan steht, hält uns davon ab. 

Faszinierende Küstenstraße

Nach einem italienischen Frühstück in einer Bar nahe des Campeggio setzen wir unsere Reise fort in Richtung Ligurische Küste. Wir passieren unzählige Tunnel, erfreuen uns am Anblick der steilen Hänge der Seealpen und reisen gegen Mittag nach Frankreich ein. Kurz hinter Cannes verlassen wir die Autobahn und nehmen die Küstenstraße.

Endlich angekommen: Théoule sur Mer an der Cote d’Azur.

Zu unserer linken das Mittelmeer, dessen Brandung an der schroffen Küste des Massif de l’Esterél, jener Bergkette mit ihren roten roten Felsen, zerschellt. Hier und da eine Aussichtsplattform mit Gedenktafeln, die an die Landung der Alliierten zum Ende des 2. Weltkrieges erinnern, schlängelt sich die schmale Straße kurvenreich gen Westen. Eigentlich möchte man permanent den faszinierenden Ausblick genießen, doch die Kurven erfordern ihre Aufmerksamkeit. Nach jeder Wendung tut sich ein neues atemberaubendes Landschaftsbild auf.

Ein Platz direkt am Meer – was gibt es Schöneres?

In einem kleinen Restaurant mit Blick auf eine schmale Bucht stärken wir uns mit einer Bouillabaise, einer provencalischen Fischsuppe mit Gemüsen und Kräutern. Keine zehn Kilometer sind es noch bis zum Ziel: Agay de Soleil, so der verheißungsvolle Name des Campingplatzes direkt am Meer gelegen. Unsere Hoffnungen auf einen Stellplatz direkt „au bord de la mer“ zu bekommen, erfüllt sich. Voller Lust und Tatendrang richten wir uns häuslich ein, lassen uns in die Campingstühle fallen und lauschen dem permanenten Plätschern des keine fünf Meter entfernten Meeres.

Abendstimmung in Agay…

Auf der Dachterrasse des Camping-Restaurants.

Am Abend zieht es uns ins Restaurant des Campingplatzes und erleben auf der Dachterrasse das Farbenspiels eines unvergesslichen Sonnenuntergang. Nicht nur das. Weil die Tische recht eng beieinander stehen, entwickelt sich schnell ein Gespräch mit unseren Tischnachbarn. Klaus, der eigentlich aus dem Ruhrgebiet stammt, lebt jetzt in. Agay. Wir plaudern zusammen mit seiner Frau über Gesellschaft und Politik und erfahren, dass der berühmte Schriftsteller Antoine de Saint Exupery, der durch sein Werk „Der kleine Prinz“ weltbekannt wurde, regelmäßig in Agay zu Besuch war. „Hier ließ er sich inspirieren“, sagt Klaus.

Drei Tage leben wir am Wasser, entdecken verschiedene Buchten und Strände, allen voran den herrlichen Plage de la Baumette, an dessen Ende sich der legendäre Leuchtturm von Baumette erhebt, der hier so manchem Seemann ein wegweisendes Signal gegeben hat. Wir schwimmen in dem für Ende September noch angenehm warmen Wasser, probieren die Strandbars aus, machen einen Ausflug ins nahe gelegene St. Raphael und wollen gar nicht mehr weg, einfach da bleiben – davon träumen wir, ein kleines Haus mit Meerblick und einem Garten für die Selbstversorgung – das wär’s. Vielleicht hat Klaus einen Tipp, spekulieren wir ganz frech.

Der wunderschöne Plage de la Baumette.

Am nächsten Morgen kommen wir mit Enrico ins Gespräch, unser italienischer Nachbar, der mit seiner Frau zusammen in einem riesig großen Wohnmobil unterwegs ist, sogar die Vespa ist mit dabei, mit der sie schick zurecht gemacht auch noch mit 70 +  in die nächste Stadt düsen oder einfach die Gegend erkunden. Apropos erkunden: Enrico legt uns seine Heimatstadt Cuneo ans Herz, ähnlich wie Turin nur deutlich kleiner und übersichtlicher, sagt er. Zudem seien Speis und Trank des Piemont ohnehin eine Klasse für sich, schmunzelt er, und das zu vernünftigen Preisen. Ach ja, und die Kultur, hebt er den Zeigefinger, sie genieße einen hervorragenden Ruf. berichtet er mit einem Augenzwinkern.

Wir versprechen unserem sympathischen italienischen Ehepaar einen Abstecher nach Cuneo zu unternehmen. Dieser fällt zwar kurz aus, hat es aber in sich. Denn uns bleibt nur ein morgendlicher Cappuccino in einer außergewöhnlich schönen Bar, die schon morgens um 6 Uhr von jungen wie alten Menschen besucht wird. Einfach dabei sein und das Leben und Treiben beobachten, wir fühlen uns willkommen und spüren viel Wärme und Herzlichkeit. Mit diesem guten Gefühl setzen wir unsere Heimreise fort in dem sicheren Bewusstsein, dass wir hier nicht zum letzten Mal waren. Auch einen solchen Van-Trip haben wir nicht zum letzen Mal gemacht, wir sind schon bereit für das nächste Ziel.

Morgens um 6 Uhr in Cuneo.

Endlose Arkaden – ein Markenzeichen von Cuneo.